Die Velener Anlage "ist auf gutem Weg, ein Musterfriedhof in der Region zu werden." Davon ist Udo Rolf Gerdes (80) überzeugt. Der Garten- und Landschaftsarchitekt aus Worpswede hat gestern den Planungsausschuss begleitet. Gemeinsam mit Vertretern von Gemeindeverwaltung und Kirche sowie einigen interessierten Bürgern besuchte das Gremium die Friedhöfe in Velen, Darfeld und Havixbeck. Anschließend diskutierte der Ausschuss über die umstrittenen Gestaltungsvorschriften des "neuen" Friedhofs an der Schützenstraße.
Udo Rolf Gerdes begleitete den Planungsausschuss bei der Friedhofs-Besichtigung. Foto: gitEine Beschluss, ob die Satzung überarbeitet wird, fiel gestern abend aber noch nicht. Zunächst wollen die Kommunalpolitiker ihre Eindrücke in den Fraktionen beraten. In der Dezember-Ratssitzung soll geklärt werden, ob sich eine partei-übergreifende Arbeitsgruppe des Themas annimmt. Anfang 2007 schließlich entscheiden Planungsausschuss und Rat, ob der Regelkatalog so bleibt oder nicht.
Die Diskussion spiegelte die unterschiedlichen Meinungen wider: Ein Teil der Ausschussmitglieder will grundsätzlich an den Vorschriften festhalten, damit der Friedhof seine "einheitliche Handschrift" nicht verliert. Über Änderungen von Details könne man dabei durchaus nachdenken, hieß es. Denn Anpassungen seien möglicherweise notwendig, weil auch die Bestattungskultur einem Wandel unterliege.
Andere wiederum plädierten für größere Spielräume, um zum Beispiel mehr Individualität zuzulassen oder die Grabpflege zu vereinfachen.
"Es kann und darf nicht in die Beliebigkeit führen. Dazu ist der Ort zu wichtig", betonte Bürgermeister Ralf Groß-Holtick. Die Politik müsse entscheiden, in welche Richtung die Entwicklung gehen solle.
Udo Rolf Gerdes, der den Friedhof konzipiert hat, erläuterte dessen Gestaltungsgrundsätze. Dabei ging er besonders auf die naturnahe Einbindung in die Landschaft ein. Weißer Kies gehört seiner Ansicht nicht dazu: Das Material "ist leblos". Eine bepflanzte Fläche wirke ruhiger. Der Experte informierte über Friedhofskultur und Grabgestaltung. "Private Wünsche müssen sich dem allgemeinen Emfinden unterordnen", betonte er. Und das enge Nebeneinander der Gräber erfordere eine angepasste Gestaltung.