Velen (git). "Auch mit einem anderen Bürgermeister wird es keinen totalen Politikwechsel geben." Das versichert Johannes Maus, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Velen-Ramsdorf.
Die Ankündigung von Bürgermeister Ralf Groß-Holtick, bei der Kommunalwahl 2009 in Coesfeld zu kandidieren, habe in der Gemeinde Velen allenthalben Überraschung und Bedauern ausgelöst, so Maus. Jetzt es ist an den Parteien, auf Kandidatensuche zu gehen und den Wählern einen, vielleicht gar mehrere potenzielle Nachfolger zu präsentieren. Einhellige Meinung der im Velener Rat vertretenen Parteien und Gruppierungen: Sich zusammensetzen und in Ruhe überlegen, wies weitergehen soll dies durchaus auch parteübergreifend. Zeitnot, rund neun Monate vor der Kommunalwahl einen geeigneten Bewerber aufzustellen? Die Orts-Vorsitzenden der Parteien winken unisono ab.
Zum Beispiel Johannes Maus (CDU): Am 25. November stellt die Mehrheitspartei im Rat ihre Kandidaten für die Wahlkreise auf. Falls alles klappt, könnten die Mitglieder dann zugleich den Bürgermeister-Kandidaten wählen, schätzt Maus. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen." Der Amtsnachfolger von Groß-Holtick müsste "nicht zwingend das CDU-Parteibuch haben", die fachliche Befähigung sei wichtiger. Auf alle Fälle müsse der "Neue" Verwaltungserfahrung mitbringen. Ob er womöglich schon im Velener Rathaus arbeitet, "kann man nicht ausschließen", so Maus.
Heute abend berät der Vorstand des CDU-Ortsverbands über das weitere Vorgehen. Dass Groß-Holtick wohl nicht mehr lange in Velen bleiben würde, war für Johannes Maus klar. Allenfalls der Zeitpunkt habe ihn überrascht. Noch im April hatten Maus und sein Stellvertreter Carsten Wendler den Bürgermeister gefragt, ob dieser für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stehe. Damals habe Groß-Holtick die Entscheidung offen gelassen, so Maus. Man habe im Oktober weiter darüber reden wollen.
Für die Gemeinde habe Groß-Holtick hervorragende Arbeit geleistet, wenngleich er im Umgang nicht selten "ein schwieriger Verhandlungspartner" gewesen sei. Nach anfänglichen Spannungen habe sich jedoch das Verhältnis zwischen Rathauschef und Mehrheitsfraktion "deutlich verbessert".
"Dass er irgendwann gehen würde, war klar. Aber der Zeitpunkt überrascht", bedauert Franz Josef Schwers den angekündigten Wechsel Groß-Holticks nach Coesfeld. Gleichwohl: "Andere Leute haben neue Gedanken, andere Ideen und Schwerpunkte", hält es der UWG-Ortsvereins-Vorsitzende grundsätzlich nicht für gut, wenn jemand zu lange eine Funktion ausübe. "Das hat nichts mit den Leistungen des Bürgermeisters zu tun." Für sinnvoll hält es Schwers, wenn alle Ratsparteien und -gruppierungen einen gemeinsamen Kandidaten aufstellen würden, "wenngleich das wohl optimistisch ist." Leicht werde es nicht, einen Nachfolger zu finden, "es sind große Schuhe, die auf diesen zukommen." Laut Schwers müsse der "Neue" ein qualifizierter Verwaltungsfachmann sein und am besten parteilos: "Auf einen solchen kann man sich am schnellsten verständigen."
Die Kandidaten-Kür auch fraktionsübergreifend diskutieren dafür spricht sich Günter Zaborski, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, aus. Grundsätzlich bestehe dabei durchaus die Möglichkeit, dass der scheidende Bürgermeister, der damals mit den Stimmen von SPD und UWG ins Amt gekommen war, einen Vorschlag unterbreite. Das sei zwar unüblich, der Posten "ist ja kein Erbhof", aber es könnte möglich sein, so Zaborski. "Ausgesprochen schade" findet er den Weggang Groß-Holticks. Auf ihn sei Verlass, er könne sich durchsetzen und wisse an Fördergelder zu kommen, bescheinigt ihm Zaborski große Sachkompetenz. Ein weiterer Pluspunkt sei die parteipolitische Neutralität des Noch-Rathauschefs.
"Wir haben zwei erfahrene neue Mitarbeiter im Verwaltungsvorstand. Deswegen könnte auch jemand, der nicht vom Fach ist, Bürgermeister werden", verweist Manfred Drews (parteilos) zum Beispiel auf die Stadt Vreden. Der "Neue" müsse kein Jurist mit Verwaltungs-Erfahrung sein, es komme auf die Person an.
"Ich finds schade, dass er geht", zeigt Barbara Wichert trotz Bedauerns jedoch Verständnis für den Schritt Groß-Holticks. Mehr wollte die Ortsvereins-Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen gestern jedoch nicht sagen zunächst tage Donnerstagabend der Ortsvereins-Vorstand.