CDU-Stadtverband Velen-Ramsdorf

"Gefühlt sind wir viel besser..."

Velen (git). Die IHK-Standortanalyse 2007 hat Lob und Kritik gleichermaßen geerntet. In der jüngsten Ratssitzung stellten Karl-F. Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, sowie Hans-Bernd Felken, Geschäftsführer der IHK Bocholt, die Velener Ergebnisse vor. Im Vergleich der 78 Städte und Gemeinden im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region hatte die "Gemeinde im Grünen" den 58. Platz belegt und damit im Kreis Borken nach Schöppingen (Platz 59) am zweitschlechtesten abgeschnitten. Gleichwohl lag sie damit noch im "Toleranzbereich".
Stellten die Untersuchung vor: Karl-F. Schulte-Uebbing (l.) und Hans-Bernd Felken. (Foto: Jüttemeier)Stellten die Untersuchung vor: Karl-F. Schulte-Uebbing (l.) und Hans-Bernd Felken. (Foto: Jüttemeier)
"Wir wollten keine Kommune in Misskredit bringen", schickte Schulte-Uebbing vorweg. Wichtiger als das Gesamtresultat seien die einzelnen Ergebnissse. "Wo liegen Stärken und Schwächen der Kommune, welche Gründe gibt es? An welchen Stellschrauben kann man drehen?" das solle der Rat betrachten. Denn keine Kommune sei nur gut oder nur schlecht, riet er, beim "Blick in die Nachbarschaft vom Besten zu lernen".

Schulte-Uebbing ließ keinen Zweifel: "Wir müssen attraktiver werden im Wettbewerb der Kommunen und der Regionen." Dabei spiele der Mittelstand eine wichtige Rolle. Schon jetzt hätten Betriebe Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. "Wenn man sich um die Besten reißt, muss man klarmachen, warum das Münsterland interessant ist", so der Experte.

Als Pluspunkte nennt die Analyse für Velen: besondere Familienfreundlichkeit, hohe Geburtenrate und solide Finanzpolitik mit geringer Verschuldung. Gleichzeitig bescheinigt sie der Gemeinde aber auch "überwiegend schwache Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsindikatoren" und zum Untersuchungszeitpunkt kreisweit die höchste Arbeitslosenquote trotz eines hohen Beschäftigungszuwachses.

"Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird ein wichtiges Thema, wenn wir uns um Arbeitskräfte streiten", sieht der IHK-Hauptgeschäftsführer Velen auf dem richtigen Weg. In puncto Arbeitsmarkt wies er auf die trotz des Arbeitsplatz-Zuwachses immer noch hohe Erwerbslosenquote hin. Vor Ort fehlten Stellen obwohl die Gemeinde ausreichend Gewerbeflächen anbiete. "Drei von vier Arbeitnehmern sitzen jeden Morgen im Auto", erläuterte Bürgermeister Ralf Groß-Holtick in diesem Zusammenhang das hohe Pendler-Saldo von etwa 2000 Personen täglich. Ein Interkommunales Gewerbegebiet Velen/Hochmoor/Coesfeld und ein A31-Anschluss würden "den Schub bringen", prognostizierte Schulte-Uebbing.

Außerdem riet er dazu, die Beziehung zur FH Bocholt zu intensivieren zum Beispiel durch die Übernahme von qualifizierten Absolventen und durch Praktika in ortsansässigen Betrieben. So könnten qualifizierte Mitabeiter gebunden werden. Ein weiterer Aspekt: der Kaufkraft-Abfluss aus Velen nach Borken, Bocholt und Coesfeld.

CDU-Fraktionsvorsitzender Günther Kremer sprach die Betreuung der Firmen vor Ort an sowie die Zusammenarbeit mit Hochschulen und mögliche Entwicklungs-Potenziale in Richtung Niederlande. Kremer schlug vor, mit dem neuen Kämmerer ein Konzept zur Wirtschaftsförderung zu erarbeiten.

Eine "gesunde Skepsis gegenüber solchen Umfragen" meldete SPD-Fraktionschef Engelbert Volks an. Neben der Wirtschaftsförderung (Ansiedlung neuer Betriebe) sei auch die Bestandspflege vorhandener Firmen wichtig ebenso wie die Kooperation mit Hochschulen.

"Gefühlt sind wir viel besser" als das Analyse-Ergebnis, sieht Bürgermeister Ralf Groß-Holtick die Gemeinde "insgesamt auf dem richtigen Weg". Gleichwohl seien die Folgen der Textilkrise in den 70er und 80er Jahren noch immer spürbar. Die Verbesserungen der Infrastruktur, die Ausweisung der Gewerbeflächen und die Bemühungen des Stadtmarketings zeigten aber Wirkung.