CDU-Stadtverband Velen-Ramsdorf

Licht, Luft und Visionen in den Stall

Beim Regionale-Workshop durfte der Nachwuchs aus Landwirtschaft, Tiermedizin und Architektur planen

-job- KREIS BORKEN. Viel Platz für die Tiere. Licht, Luft und Spielmöglichkeiten fürs Vieh. Dazu eine Haltung, die Anforderungen moderner Tierhygiene genügt, arbeitsökonomisch sinnvoll ist und gleichzeitig Verbrauchern die Möglichkeit gibt, Einblicke in die Tierhaltung zu bekommen.
Dass sich all das nicht ausschließt, sondern auch in der modernen Tierhaltung zusammenpasst, das haben am Donnerstagnachmittag rund 50 Tiermedizin-Studenten. angehende (Landschafts)- Architekten und Fachschüler der Agrarwirtschaft gezeigt. Sie präsentierten beim Regionale-2016-Workshop „Zukunftsstall“ ihre Visionen vom Stallbau der Zukunft für Schweine, Kühe und Puten. Vier Tage lang hatten sie die Köpfe zusammengesteckt, hatten Betriebe besucht, Zeichnungen erstellt und Modelle gebaut. Gestern Nachmittag stellten sie diese einer Jury, bestehend aus Planern und Experten aus der Landwirtschaft, vor.

„Wir wollten die Weide quasi in den Stall verlegen“, sagte beispielsweise Anne Zaun von der RWTH Aachen zu ihrem Modell eines Kuhstalls für 120 Milchkühe. Der Stall könne, so erklärten Zaun und ihre Gruppe unserer Zeitung, bei Bedarf das Dach öffnen. Die Tiere, so ihre Idee, sollen auf weichem Vliesboden liegen und Kontakt untereinander halten können. „Da wollen wir die Herdenstrukturen nutzen“, erklärte die künftige Landschaftsarchitektin. Was man von all den Ideen umsetzen könne? „Das muss jeder Landwirt für sich entscheiden“ , sagte Landwirtschaftsschüler Markus Epping. Die Fressgitter wären sicher etwas, was er sich für seinen Betrieb vorstellen könne.

Ein paar Meter weiter hatte die Gruppe „Fit Pig“ ihr Modell aufgebaut. Ausgehend von Architektur und Struktur eines Marbecker Schweinehalters hatten die jungen Planer überlegt, wie dort die Tierhaltung der Zukunft aussehen könnte. Das Ergebnis: „Wir wollen kurze Wege. Alles soll unter einem Dach sein. Und die Schweine sollen in einigen Bereichen nach draußen können“, erklärte Junglandwirt Jan-Wilm Verst. Geplant hat das fünfköpfige Team aus Landwirtschaftsschülern, Nachwuchs-Veterinären und Architekten auch Bereiche, in denen sich die Schweine suhlen können, wo es etwas zu riechen und zu spielen gibt. Bemerkenswert: „Am Stall vorbei soll ein Radweg führen“, sagt Michael Niehues. Er erklärt, dass man durch große Fensterbänder ins Innere schauen könne. Auch die Arbeitsökonomie solle nicht zu kurz kommen. So sollten die Transportwege der bis zu 4000 Mastschweine ganz kurz werden und – als wirkliche Vision – ein eigener Schlachthof angebaut werden. „Wir durften ein bisschen spinnen“, hieß es aus der Gruppe, denn: Weil es zunächst um Ideen ging, durften die möglichen Kosten zunächst einmal außen vor bleiben.

Dass sich das eine oder andere Detail der elf vorgestellten Visionen in den nächsten Jahren in natura wiederfinden wird, davon war Dr. Peter Epkenhans, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Borken, überzeugt. „Sich und den Betrieb zu öffnen ist den jungen Leuten wichtig“, sagte er. „Ich zeige, was ich mache“, diese Idee stecke dahinter. Positiv für ihn: Dass junge Menschen verschiedener Fachrichtungen die Köpfe zusammengesteckt hätten und eine sehr positive Stimmung geherrscht habe. Auch sei klar geworden, dass der Nachwuchs das Thema Wachstum nicht über alles gestellt habe. „Wachstum ergibt sich aus Zwangslagen. Aber wir wollen nicht um des Wachstums willen wachsen.“