Zehn Jahre Schiedsmann: Albert Lammering zieht Bilanz
VELEN (rpl). „Das Problem ist, dass die Leute nicht miteinander reden.“ Im Lauf seiner zehnjährigen Amtszeit als Schiedsmann in Velen hat Albert Lammering viele Menschen dazu gebracht, miteinander zu reden – und sich zu verständigen, anstatt sich vor Gericht zu streiten.
Nach zwei Amtsperioden von je fünf Jahren hat der 71-jährige Velener jetzt das Amt des Schiedsmanns abgegeben. Zu seinem Nachfolger hat der Stadtrat Ralf Geringhoff gewählt (die BZ berichtete). Wie viele Streitfälle er im Lauf der Jahre zu schlichten versucht hat, weiß Albert Lammering nicht mehr. Vor allem deshalb, weil viele Verfahren gar nicht aktenkundig geworden sind: Statt mit einer schriftlichen Einigung oder einer formellen „Erfolglosigkeitsbescheinigung“ wurden sie mit einem versöhnlichen Handschlag „zwischen Tür und Angel“ abgeschlossen.
„Diese so genannten Tür-und-Angel-Fälle spielen eine große Rolle in der Arbeit des Schiedsmanns“, erläutert Albert Lammering. „Wenn die Streitenden in Gegenwart eines unparteiischen Dritten erst einmal vernünftig miteinander reden können, findet sich oft eine Lösung ohne formelles Verfahren“, weiß der scheidende Schiedsmann aus langjähriger Erfahrung.
Aber natürlich sei das nicht immer so: Wenn er im Lauf seiner Amtszeit auch rund 70 Prozent der an ihn herangetragenen Streifälle habe schlichten können, so seien doch längst nicht alle Termine angenehm gewesen: „Da wurde es bisweilen auch einmal laut, und dann war es wichtig, Ruhe zu bewahren.“ Dennoch hält der Velener das Amt des Schiedsmannes für eine wichtige Einrichtung: „Es macht bei Streitfällen eine Einigung auf menschlicher Ebene möglich.“
Bei der in diesem Jahr anstehenden Wahl für die nächste Amtsperiode ist Albert Lammering nicht mehr angetreten – auch mit Blick auf seine sonstigen Ehrenämter. Seine ganz persönliche Bilanz der zehnjährigen Schlichtertätigkeit: „Wenn es gelingt, einen Streitfall zu lösen, ist man stolz, aber wenn es nicht klappt, ist man natürlich enttäuscht.“