120 Bürger kamen / Viele Fragen zur Grundstücksvergabe und zur Genossenschaft
VELEN. Die Warmwasserversorgung des Neubaugebietes „Häämkes Diik“ durch ein eigenes Nahwärme-Netz (die BZ berichtete) stößt offenbar auf große Resonanz: Rund 120 interessierte Bürger haben sich am Dienstagabend auf einer Infoverstaltung über die technischen und rechtlichen Einzelheiten des neuartigen Konzeptes informiert.
Auf dem Podium in der Aula der Realschule standen Rede und Antwort: Matthias Partetzke, Vorstandsvorsitzender der IneG Ingenieursgesellschaft, Hermann-Josef Schäfer, Architekt und Energieberater der Verbraucherzentrale, sowie Rechtsanwalt Christoph Gottwald vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband. Für die Stadt Velen waren Bürgermeister Dr. Christian Schulze Pellengahr und Bauamtsleiter Wilhelm Jöster in der Gesprächsrunde vertreten.
„Wärme aus der Region“ - unter diesem Begriff fasste Matthias Partetzke das geplante Projekt zusammen. Anstatt in den 89 Häusern im Baugebiet ebenso viele einzelne Heizanlagen einzubauen, könnte dieses Areal nach den Vorstellungen der Planer durch eine einzige Heizzentrale zentral mit Heißwasser versorgt werden. Diese Anlage werde mit nachwachsenden Rohstoffen aus der Region – insbesondere mit Holzhackschnitzeln – betrieben. Daraus ergeben sich nach Darstellung Partetzkes zahlreiche Vorteile: Unabhängigkeit vom Öl- oder Gaspreis, Versorgungssicherheit, geringe Umweltbelastung, kostengünstiger Betrieb, Platzersparnis und positive Auswirkungen auf den Energieausweis des Hauses.
Insbesondere diesen letzteren Gesichtspunkt unterstrich in seinem Vortrag auch Verbraucherberater Hermann-Josef Schäfer.
Einzelheiten der vorgesehenen rechtlichen Konzeption des Nahwärme-Netzes als Genossenschaftsmodell erläuterte anschließend Rechtsanwalt Christoph Gottwald. Er machte deutlich, dass eine Genossenschaft nicht darauf angelegt sei, möglichst viel Gewinn zu erzielen, sondern das satzungsgemäße Ziel ihrer Mitglieder zu verfolgen. Zudem, so der Rechtsanwalt, sei bei einer Genossenschaft in besonderem Maße das Risiko einer Insolvenz gering.
Bei den Fragen aus dem Kreis der Zuhörer stellten sich vor allem zwei Themenbereiche heraus, die den Grundstücksinteressenten am Herzen lagen: die geplante Bindung der Grundstücksvergabe an den Beitritt zur Nahwärme-Genossenschaft und der – zurzeit noch offene – Standort der erforderlichen Heizzentrale. Zahlreiche weitere Fragen richteten sich außerdem auf das konkrete Vergabeverfahren für die Grundstücke im „Häämkes Diik“ sowie auf den Zeitplan für die Erschließung und den möglichen Bau und die Fertigstellung des Nahwärmenetzes.
Auch die Frage der Grundstückspreise wurde angesprochen. Diese konnte aber nicht beantwortet werden, da sowohl ein Beschluss des Rates über den Basiskaufpreis als auch die Berechnung der Erschließungskosten noch ausstünden, so der Bürgermeister.