CDU-Stadtverband Velen-Ramsdorf

Schiene weckt Erinnerung an die Bahn

Heimatverein Velen organisierte Original-Gleiskörper für den Kreisverkehr auf der Ramsdorfer Straße

VELEN. Wenn Karl-Heinz Honerbom als Knirps seine Großeltern im Sauerland besuchen wollte, gab es niemanden, der ihn mit dem Auto dorthin kutschierte. „Ich bekam einen Zettel um den Hals und wurde hier in Velen in den Zug gesetzt“, erzählt der Vorsitzende des Heimatvereins Velen.
Damals war das kein Problem, denn die Eisenbahnlinie von Münster nach Empel-Rees fuhr quer durch Velen. „Hier auf dem Kreisel lagen die Bahnschienen“, erinnert sich Josef Schulze Selting, beauftragter Denkmalpfleger. Auch er ist als Junge und junger Mann noch mit der Bahn von Ramsdorf aus ins Umland gefahren. „Zur Berufsschule beispielsweise.“

Wo seinerzeit die Bahn entlang schnaubte und dabei mächtig Dampf ausstieß, rollt inzwischen der Autoverkehr. Von der Bahn ist keine Spur mehr – bis jetzt: Denn seit dieser Woche liegt wieder eine Schiene auf der Ramsdorfer Straße – genauer auf dem Kreisel, über den man unter anderem ins Baugebiet Kuckelbeck gelangt.

Der Heimatverein Velen sicherte den eisernen Schienenstrang, der bis Oktober 2012 auf dem Hellweg lag. Bauhofmitarbeiter montierten ihn nun mit Zustimmung der Behörden auf dem Kreisverkehr. „Er soll an die Geschichte der Bahn hier erinnern“, sagt ven der Buss.

Diese Geschichte begann im Jahr 1903. „Damals wurde die durchgängige Streckenverbindung von Münster über Coesfeld, Borken, Bocholt nach Empel-Rees eröffnet“, recherchierte ven der Buss. Diese Strecke führte auch durch Velen und Ramsdorf, wo es Bahnhöfe gab. Eingerichtet worden sei die Bahnverbindung allerdings nicht, damit die Bürger besser von einem zum anderen Ort kamen. „Es ging hauptsächlich darum, Güter zu transportieren“, sagt Honerbom. Für die wachsende Industrie sei es – wie man heute sagen würde – ein Standortvorteil gewesen.

In den 1960er Jahren rollte unter anderem die „V200“ durch Velen, eine „Paradelok“ der Deutschen Bundesbahn. 1964/65 verkehrten zehn Zugpaare zwischen Bocholt und Münster. Doch in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre bekamen die Züge Konkurrenz. Omnibusse fuhren parallel – und ersetzten schließlich den Personenverkehr auf der Schiene. Am 25. Mai 1974 war dann auch die Ära des Güterverkehrs auf diesem Schienenstück zu Ende.

Die Züge verschwanden aus dem Ortsbild von Velen und Ramsdorf – und schließlich auch die Schienen. Bislang erinnerte in der Stadt neben Straßenbezeichnungen lediglich ein Denkmal mit Flügelsignalen auf dem alten Bahndamm in Ramsdorf (Radweg) an die Geschichte der Bahn. Fortan soll nun das historische Gleisstück mit der Spurbreite von 1435 Millimetern und dem Walzzeichen HV – für Hörder Verein – 1913 die Erinnerung aufrecht erhalten.