Standortmarketing-Konzept vorgestellt
VELEN. „Velen – die wirtschaftsfreundlichste Stadt im Kreis Borken.“ Das hat sich die Kommune auf die Fahnen geschrieben. Wie sich ihr wirtschaftspolitisches Leitbild umsetzen lässt, erläuterte Dr. Wolfgang Haensch (Partner und Büroleiter der Cima Köln-Beratung + Management GmbH). Während der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung stellte er das Standortmarketing-Konzept vor.
„Der Anspruch ist hoch“, so der Wirtschaftsgeograf. „Aber Sie fangen ja nicht bei Null an“, betonte er, dass die Kommune schon einiges geleistet habe. Wichtig sei bei einer aktiven Wirtschaftsförderung der Schritt von der Basisarbeit zur Profilierungsstrategie.
„Da wollen wir hin: Velen = wirtschaftsfreundlichste Kommune im Kreis Borken und zugleich besonders attraktiv für bestimmte Zielgruppen“, beschrieb Dr. Haensch die strategische Ausrichtung. Hauptzielgruppen seien vor allem einheimische Firmen und Betriebe aus der Region, aber auch Existenzgründer und Kleinunternehmen.
Den Weg dorthin skizzierte er so: Velen müsse unter anderem überzeugen durch ein wirtschaftsfreundliches Klima und funktionierende Unternehmens-Netzwerke, durch eine aktive Wirtschaftsförderung, ein nachfragegerechtes Angebot an Gewerbeflächen, durch seine Qualität als Wohn- und Lebensstandort, neue Formen des Flächenangebots für Unternehmen sowie durch die Verwirklichung des Projekts „Biogasanlage Velen“. Als Handlungsfelder einer aktiven Wirtschaftsförderung beschrieb Dr. Haensch ein Vier-Säulen-Modell zu Standortentwicklung und -marketing.
Zum Thema „Fläche und Infrastruktur“ wies er darauf hin, dass die Stadt in den vergangenen fünf Jahren jeweils durchschnittlich 10.700 Quadratmeter Gewerbeflächen verkauft habe. „Das ist kein schlechter Vermarktungserfolg. Er zeigt, dass vorhandene Betriebe expandieren“, so der Fachmann.
Seine Empfehlung: Die Stadt solle daran festhalten, langfristig einen Anschluss an die A31 in Höhe Hochmoor zu bekommen. „Das würde dem Standort Velen eine andere Qualität geben.“
Ein weiterer Aspekt: Häufig stünden Wohngebäude neben produzierendem Gewerbe. „Warum nicht ein Plus daraus machen?“ riet Dr. Haensch zum Projekt „Wohnen und Arbeiten“ als einer neuen Form des Flächenangebots. Dabei könne die Stadt ein Gewerbegebiet so strukturieren, dass den Betrieben Grundstücke zur Verfügung stünden, bei denen Wohnen und Arbeiten in räumlicher Nähe auf einem Areal lägen.
„Gewerbesteuer ist ein Reizwort und eine Messlatte für Unternehmer“, betonte Dr. Haensch. In Velen liege die Gewerbesteuer auf dem Niveau vergleichbarer Kommunen. Wenn die Stadt den Hebesatz für eine gewisse Zeit senke – etwa für drei Jahre – „würden Sie hohe Aufmerksamkeit erregen.“
In puncto „Service und Beratung“ riet Dr. Haensch dazu, die bisherigen Aktivitäten der Wirtschaftsförderung (Betriebsbesuche, Ansiedlungsberatung) fortzusetzen und sich verstärkt des Themas „Arbeitskräfte“ anzunehmen – zum Beispiel durch Ausbildungspatenschaften.
„Wir suchen das Charakteristische, das Individuelle des Wirtschaftsstandorts Velen“, erläuterte er zum Thema „Vermarktung“. Zwar bestehe eine eigene Webseite und die Stadt sei auf Messen präsent. Aber weitere Instrumente, darunter Imagebroschüre und digitaler Newsletter, fehlten. Sein Tipp: Stärker emotional auftreten und zum Beispiel Betriebe, Unternehmerpersönlichkeiten und Projekte vorstellen. Auch Produkte „made in Velen“ sollten stärker und emotionsbetonter vermarktet werden.