CDU-Stadtverband Velen-Ramsdorf

380 Kilovolt: Spannung im Burgsaal

VELEN/RAMSDORF (git). Die Stühle reichten nicht aus: Rund 100 Interessierte informierten sich am Mittwochabend über den geplanten Bau der Höchstspannungsleitung von Meppen (Emsland) zur Umspannanlage Niederrhein in Wesel. Dazu hatte der Netzbetreiber - die Amprion GmbH (Dortmund) - in den Burgsaal eingeladen. Sie plant derzeit den dritten Abschnitt dieser 380-Kilovolt-Leitung zwischen Borken und Nordvelen. Im Sommer 2012 will sie mit diesem Teil ins Planfeststellungs-Verfahren gehen.
Da wurde es voll im Burgsaal: Etwa 100 Zuhörer wollten sich aus erster Hand informieren. (Fotos: Jüttemeier) Da wurde es voll im Burgsaal: Etwa 100 Zuhörer wollten sich aus erster Hand informieren. (Fotos: Jüttemeier)
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Christian Schulze Pellengahr standen auf dem Podium Rede und Antwort: Oliver Cronau (Abteilungsleiter Planung) sowie sein Amprion-Kollege Dieter Picklapp (Projektleiter), dazu Sven Schwardmann (Bürgerinitiative Pro Erdkabel NRW) sowie Hubertus Schmitte (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband). Beim anschließenden „Info-Markt“ konnten die Besucher im Gespräch mit Fachleuten einzelne Fragen erörtern. Ziel sei es, „aus erster Hand von Amprion zu erfahren: Was steht an, was ist geplant“, sagte Moderator Joachim Lück. Die konkrete Trassenplanung auf Velener Gebiet, dazu Rechte und Pflichten für Eigentümer sowie Konsequenzen des Leitungsbaus für Mensch und Natur interessierten die Besucher am meisten.

Die neue 380-kV-Leitung soll den „grünen“ Windstrom von Nord- und Ostsee nach Süddeutschland transportieren. Auf 80 von 130 Kilometern verläuft sie dabei in vorhandenen Trassen.

Warum kein Erdkabel wie auf Pilotstrecken in Raesfeld, Borken und Legden? Auf Velener/Ramsdorfer Gebiet gebe es keine Möglichkeit, ein mindestens drei Kilometer langes zusammenhängendes Teilstück unterirdisch zu verlegen, sagte Dieter Picklapp. Auch ein weiteres Kriterium pro Erdkabel sei nicht erfüllt: Die Leitung verlaufe nicht auf einem drei Kilometer langem Stück im Abstand von weniger als 400 Metern zum Siedlungsrand sowie von weniger als 200 Metern zu Höfen im Außenbereich. Die Kosten für einen Kilometer Freileitung bezifferte der Amprion-Vertreter auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Ein Kilometer Erdkabel koste dagegen etwa neun Millionen Euro.

Als grundsätzliche Forderungen der Bürgerinitiative „Pro Erdkabel“ nannte Sven Schwardmann: eine intensivere Auseinandersetzung mit Trassen-Alternativen wegen der Nähe zur Wohnbebauung, eine Verlegung der Höchstspannungsleitung an die A31 sowie der Wunsch, den Transport per Gleichstrom-Technologie (die so genannte HGÜ-Technik) verstärkt in die Betrachtung einzubeziehen. Dies, um mögliche Gesundheitsrisiken durch eletromagnetische Felder zu verringern. Sein Wunsch an den Netzbetreiber: Optimierungs-Möglichkeiten prüfen.

„Wir sind absolut dafür, dass die Leitung an die A31 verlegt und als HGÜ-Technik ausgeführt wird“, sagte Hubertus Schmitte, Leiter der Rechtsabteilung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) Münster. Und: wenn schon der Strom transportiert werden müsse - dann lieber per Freileitung anstatt Erdkabel, das Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft zur Folge haben könne. Größere Masten, größere Sockel, Erschwernisse für Landwirte: Schmitte informierte anschließend über einen weiteren Themen-Schwerpunkt - die aktualisierte Entschädigungs-Regelung für Eigentümer, über deren Grund die Freileitungs-Trasse verläuft.