CDU-Stadtverband Velen-Ramsdorf

Anliegern stinkt Biogas-Planung

VELEN (git). „Wir haben schon Beeinträchtigungen durch Verkehr, Geruch, Lärm und Staub. Jetzt ist es genug. Unsere Toleranzgrenze ist erreicht.“ Daran lassen Jürgen Wensing (40), Christian Dehling (36) und Heinz Boll-Dullhot (56) keinen Zweifel. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der „Bürgerinitiative Nordvelen/Estern“. Etwa 50 Mitglieder zählt sie bislang - Tendenz steigend. Die BI wehrt sich gegen die von Bauernverband und RWE-Tochter Innogy geplante Groß-Biogasanlage am Standort Hülsebrook (BZ berichtete), will ihren Bau verhindern.
Der Protest formiert sich: Die Bürgerinitiative befürchtet durch die Groß-Biogasanlage Beeinträchtigungen durch mehr Verkehr, Lärm und Gestank. Der Protest formiert sich: Die Bürgerinitiative befürchtet durch die Groß-Biogasanlage Beeinträchtigungen durch mehr Verkehr, Lärm und Gestank.
Sorge und Skepsis treiben die BI-Mitglieder um. Durch die Anlagen der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) „sind wir schon seit langem gebeutelt.“ Für Jürgen Wensing ist zudem klar: Das geplante Projekt „hat nichts mit Bio zu tun, das ist eine industrielle Gas-Fabrik“.

Kritisch hinterfragen die Drei die Abstandsmessungen zu ihren Wohnhäusern. Die Zahlen in den Unterlagen bezögen sich stets auf die Anlagen-Mitte - dadurch vergrößere sich rein rechnerisch die Entfernung. Mit 157 Metern liege das Haus Boll-Dullhot am nächsten zum Ende der geplanten Biogas-Anlage - wenn sie im Süden des Gewerbegebiets entstehe. Bei Wensing seien es etwa 180 Meter. Weitere Nachbarn lägen in 200 bis 400 Metern Entfernung. Allerdings werde jetzt übelegt, den Standort der Anlage nach Norden zu verschieden.

Außerdem zweifelt die BI, ob ein Projekt in der Größenordnung und mit der Leistung überhaupt technisch funktionieren könne.

Als weitere Fragen und Kritikpunkte listet die BI auf: Fällt in bäuerlichen Familienbetrieben im Umkreis von 20 Kilometern genügend Gülle für die Anlage an? Oder leistet sie Großmast-Ställen Vorschub? Wird womöglich Gülle aus den Niederlanden mit verarbeitet? „Das alles kann doch keiner kontrollieren. In der Praxis steht ja nicht ständig jemand daneben und prüft“, sind Wensing, Dehling und Boll-Dullhot skeptisch. Und: Woher sollen die notwendigen Zwischenfrüchte kommen?

„Das Verkehrsaufkommen wird sich enorm erhöhen“, fürchtet die BI noch mehr Lärm. Schließlich sollten in der Anlage jährlich 168.000 Tonnen Güllefeststoffe, 20.500 Tonnen Zwischenfrüchte und 20.000 Tonnen Rohgülle verarbeitet werden. Diese Zahlen hätten Innogy und WLV auf Anfrage genannt. Dazu kämen unter anderem 125.000 Tonnen organischer Dünger, den die Anlage produziere. „Schon heute rollt so viel Verkehr über die B525, dass wir schulpflichtige Kinder beim Überqueren begleiten müssen“, sagt Wensing.

Ein weiteres Argument der BI: Gärreste aus Biogasanlagen stünden in Verdacht, zur Verbreitung von Krankheitserregern beizutragen. Gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier könnten nicht ausgeschlossen werden, verweist die Initiative etwa auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts. Und: In Deutschland fehle eine ausreichende gesetzliche Regelung zum Umgang mit Gärresten als Acker-Dünger. Zudem sorgen sich die Mitglieder um den Schutz von Trinkwasser und Schlinge. Dies vor allem bei eventuellen Störfällen - wenn womöglich Gülle auslaufe.

„Da muss etwas passieren“, pochen Wensing, Dehling und Boll-Dullhot auf „planungsrechtliche Vorgaben, die den Anlieger- und Gewässerschutz garantieren.“ Die Gutachten zum Bau der Biogas-Anlage will die Bürgerinitiative kritisch begleiten - und hofft dabei auf die Unterstützung von Rat und Verwaltung.