VELEN (git). „Es sieht so aus, als ob es das gewesen ist mit den Ferienmaßnahmen für Schüler aus Minsk in Velen.“ Bedauern schwingt mit, als Albert Lammering (67) dies sagt. Nach 15 Jahren steht der 54 Mitglieder starke Förderverein „Partnerschaft Weißrussland“ vor dem Aus. Der Vorstand bereitet seine Auflösung vor. Das habe die Mitglieder-Versammlung jetzt einstimmig beschlossen, erklärt der langjährige Vorsitzende.
Albert und Anne Lammering: „Wir haben die Arbeit immer gerne gemacht.“ (Foto: Jüttemeier) Lammering nennt drei Gründe, warum es nicht mehr weitergeht:
In den vergangenen Jahren sei es zunehmend schwieriger geworden, Gastfamilien für die weißrussischen Kinder zu finden. Und: Er selber möchte nach 15 Jahren sein Amt als Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen abgeben, finde aber keinen Nachfolger. Außerdem gebe es Probleme an der Schule Nr. 77 in Minsk, von der seit 19.. jedes Jahr Kinder nach Velen reisten.
„Anfangs war es bedeutend einfacher, Gastfamilien zu finden“, berichtet Lammering. Heute seien vielfach beide Elternteile berufstätig, könnten so kaum noch zusätzlich Ferienkinder aufnehmen. Manchmal habe er bis zu 100 Familien angerufen, um genügend Gasteltern zu rekrutieren. Bereits 2010 war die Erholungsfreizeit deswegen ausgefallen.
Außerdem: Nach Unregelmäßigkeiten im Geschäftsbereich der Minsker Schulleitung sei eine kommissarische Direktorin eingesetzt worden. Sie könne aber nicht über die Reise der Kinder im Sommer entscheiden.
„Es hat keinen Sinn, den Verein weiter aufrecht zu erhalten“, betont Lammering. Er geht nicht davon aus, dass sich nach - dann zweijähriger - Pause die Erholungsmaßnahmen 2012 wieder ankurbeln lassen.
Trotzdem fällt die Bilanz des Vorsitzenden und seiner Ehefrau Anne positiv aus. „Es war sehr schön und es hat uns viel Freude bereitet“, erzählen sie vom bereichernden Austausch mit den Erwachsenen aus Minsk und Velen und davon, dass sie Freunde gewonnen haben. „Wir haben viele Menschen aus einem anderen Land kennen gelernt und dabei auch erfahren, wie schwierig das Leben in einer Diktatur ist.“
Zeit, Energie und Geld hat das Ehepaar investiert, reiste fünfmal nach Minsk, um Spenden an die Schule Nr. 77 sowie Kinderheim und -krankenhaus Nr. 4 zu überbringen.
Ob zäher Papierkram mit weißrussischen Behörden, anfangs nervöse Gasteltern oder Kinder mit Heimweh in den ersten Tagen und Organisatorisches: „Wir haben die Arbeit immer gern gemacht“, betonten Albert und Anne Lammering. Von einer Einbahnstraße keine Spur: „Wir haben selber davon profitiert“, beschreiben sie die Freude und Dankbarkeit der weißrussischen Partner, aber auch deren herzliche Gastfreundschaft.
„Es war ein Beitrag zur Völkerverständigung.“