Vertreter der Bürgerinitiative Nordvelen-Estern, die sich gegen den Bau einer geplanten Biogasanlage im Industriegebiet Hülsebrock wenden, (die BZ berichtete), trafen sich nun jüngst mit einigen Vertretern der CDU-Fraktion, die das Projekt im Gemeinderat befürwortet. Dabei war die CDU die erste politische Partei, die eine Einladung an die Bürgerinitiative ausgesprochen hatte und sich mit deren Sprecher, Heinz Boll-Dullhot und sechs weiteren BI-Mitglieder über das Projekt austauschte.

In einer sachlichen Gesprächsatmosphäre trugen Herr Boll-Dullhot und seine Begleiter den drei CDU-Vertretern Günther Kremer, Thomas Kerkhoff und Carsten Wendler ihre Bedenken hinsichtlich Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch Lärm-, Geruchs- und Verkehrsemissionen, sowie ihre Sorgen in Bezug auf Seuchen- und Gesundheitsgefahren vor. Dabei sicherten die drei CDU-Vertreter der Bürgerinitiative zu, dass der Gesundheitsschutz und eine ausgewogenen Verträglichkeit auch für die CDU höchste Priorität haben, und die Fraktion in Bezug hierauf vor einer politischen Entscheidung verlässliche Antworten der Genehmigungsbehörden erwarte: „Eine Verwirklichung um jeden Preis wird es mit uns nicht geben“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Kremer. Jedoch sehe man aufgrund der Herausforderungen der Energiewende die Notwendigkeit im Bereich der erneuerbaren Energie auch neue Konzepte zu verfolgen, so Kremer weiter. Auch die Gemeinde Velen bekenne sich im Rahmen ihrer Planungshoheit zu regenerativer Energieerzeugung.
Weniger einig war man sich in Bezug auf die wirtschaftliche Beurteilung einer solchen Großanlage. Den Befürchtungen einer wirtschaftlichen Einschränkung für familiengeführte Bauernhöfe mochte die CDU nicht folgen, da ja gerade der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) als berufsständische Interessenvertretung der Landwirte die Anlage errichten und betreiben wolle, weil dieser sich hiervon Potenziale für die bäuerliche Landwirtschaft verspreche. Durch die Bedingung für das Beliefern Gesellschafter der Anlage werden zu müssen, ließe sich der Kreis der Lieferanten sehr gut steuern erklärte Kremer. Auch habe die Region einen Gülleüberschuss, der einer Unterdeckung an Düngestoffen in anderen Regionen Deutschlands gegenüberstehe, erklärte Kremer. Die durch die BI-Vertreter befürchtete fehlende Wirtschaftlichkeit, welche die Bürgerinitiative vermutet, sah die CDU nicht. „Die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer privatwirtschaftlichen Investition obliegt zunächst den Investoren und nicht dem Gemeinderat“, so Kerkhoff.
Ein direkter Einfluss der Gemeinde Velen ist der CDU ebenfalls wichtig. Deshalb werde sie im Laufe des Verfahrens im Gemeinderat unter anderem beantragen, dass die Gemeinde Velen Gesellschafterin innerhalb der Gesellschaft werden solle.
Diese und weitere konkretere Fragestellungen will die CDU-Fraktion nun klären lassen und nach Erstellung eines Bebauungsplanentwurfes erneut diskutieren. Daher vereinbarten die Teilnehmer zum Schluss des rund zweistündigen Gesprächs, dass man sich im ersten Quartal 2012 erneut zusammensetzen werde, um den Dialog fortzusetzen.