Velen (git). Im März 2008 hat Velens Rat Christian Schulze Pellengahr (32) einstimmig zum neuen Ersten Beigeordneten gewählt. Nach zweimonatiger Einarbeitungszeit übernahm der Verwaltungsjurist im Juli diese Aufgabe. Nach rund 100 Tagen im Amt fragte die BZ den "zweiten Mann" im Rathaus und Allgemeinen Stellvertreter des Bürgermeisters nach seinen ersten Eindrücken und Erfahrungen.
Christian Schulze Pellengahr ist seit Juli Erster Beigeordneter in Velen und seit September auch Bürgermeisterkandidat der CDU für die Kommunalwahl 2009. (Foto: Jüttemeier)BZ: Mit welchen Erwartungen haben sie die Stelle des Ersten Beigeordneten in Velen angetreten und haben sich Ihre Erwartungen bislang erfüllt?
Schulze Pellengahr: Es war vor allem der Reiz, sich beruflich fortentwickeln und mehr eigenverantwortlich handeln zu können. Zudem sprach mich das breitere Aufgabenfeld besonders an vor allem der Bereich Schule und Kultur.Reizvoll ist an der Beigeordneten-Stelle aber auch die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien, die ich bisher vor allem von der anderen Seite aus als Ratsmitglied meiner Heimatgemeinde her kannte. Diese Erwartungen haben sich voll auf erfüllt, so dass ich sagen kann, dass ich sehr gerne hier arbeite.
BZ: Was hat Sie während Ihrer ersten 100 Tage im Amt positiv überrascht, erstaunt oder geärgert?
Schulze Pellengahr: Beeindruckt hat mich vor allem das große bürgerschaftliche Engagement in Velen und Ramsdorf, besonders in den Vereinen und Verbänden. Als Stichworte seien hier nur der europäische Dorferneuerungspreis für Ramsdorf, die Arbeiten an der Alten Molkerei, an der Sägemühle bei Gut Ross und der Alten Schmiede Beckmann genannt. Das gibt es so ausgeprägt wohl nur in wenigen Gemeinden. Es zeigt, was man alles mit vereinten Kräften bewirken kann. Aber auch: die lebendige Schullandschaft mit den beiden Offenen Ganztagsgrundschulen und ihrem reichhaltigen Angebot.
Geärgert hat mich bisher höchstens, dass es ausgerechnet zur Kollen Kaermes so geregnet hat, dass die viele Arbeit, die fleißige Helfer in die Organisation hineingesteckt haben, gar nicht richtig zur Geltung kam.
BZ: Welche Gestaltungsmöglichkeiten hat überhaupt der "zweite Mann" im Rathaus? Oder ist er eher ausführendes Organ der Politik?
Schulze Pellengahr: In vielfacher Hinsicht ist er ausführendes Organ und hat die Dinge umzusetzen, die Rat und Bürgermeister vorgeben. Das macht er aber nicht allein, sondern hat gute und erfahrene Kollegen, die mit großem Engagement die Dinge nach vorn bringen. Der Erste Beigeordnete kann jedoch stets auch aktiv Ideen aufgreifen, mit einbringen und Anregungen geben, die oftmals vom Bürgermeister positiv aufgegriffen werden und sich dann auch umsetzen lassen.
BZ: Just 100 Tage im Amt, hat die CDU Sie bereits als Bürgermeister-Kandidat für die Kommunalwahl 2009 gekürt. Betrachten Sie dies als berufliche Chance oder eher als Bürde?
Schulze Pellengahr: Ich sehe es schon als berufliche wie auch persönliche Chance, aber auch als Herausforderung an. Vieles ist hier in Velen und Ramsdorf in den vergangenen Jahren auf einen guten Weg gebracht worden. Unsere Gemeinde kann sich sehen lassen. Das Erreichte zu erhalten und fortzuentwickeln, dabei womöglich noch an einigen Stellen zu optimieren, muss das gemeinsame Ziel von Bürgern, Rat und Verwaltung sein.
BZ: Wie lässt sich im Schatten des Bürgermeisters ein eigenständiges Profil entwickeln?
Schulze Pellengahr: Mein Zuständigkeitsbereich im Rathaus umfasst mit den Aufgaben Bürgerbüro, Sicherheit und Ordnung, Schule, Kultur, Tourismus, Denkmalpflege und Sport sowie Soziales und Jugend ein recht breites Spektrum. Hier kann und muss man Prioritäten setzen, denn nicht alles ist finanzier- und umsetzbar. Dadurch entwickelt sich automatisch neben den vielen, meist vom Gesetzgeber vorgegebenen Pflichtaufgaben nach und nach ein eigenes Profil, hat doch jeder ob Bürgermeister oder Beigeordneter sein eigenes "Steckenpferd", das er besonders fördert.
BZ: Was macht der Erste Beigeordnete in seiner Freizeit?
Schulze Pellengahr: Bisher bin ich gerne mit meiner Frau in Kurzurlaub gefahren. Nun, wo wir unser erstes Kind erwarten, haben sich die Prioritäten verschoben: Vieles dreht sich schon jetzt um den Nachwuchs, auf den wir uns sehr freuen. Darüber hinaus nutzen wir derzeit aber auch die Zeit, um den Wohnungsmarkt in Velen zu sondieren, um dann im nächsten Jahr auch hierher zu ziehen.Ansonsten: Fahrrad fahren, schwimmen, lesen vor allem geschichtliche Themen, Fotografieren, Jagd und musizieren (Klavier und Querflöte).