VELEN/RAMSDORF (pet). Heile Welt? „Die gibt‘s auch in den Velener Grundschulen nicht mehr“, stellte Susanne Quante, Rektorin der Andreas-Schule, fest. Sozial und emotional auffällige Kinder, überforderte und desinteressierte Eltern – das sei zwar bei weitem nicht die Regel, aber längst keine Ausnahme mehr. Mit ihrem Amtskollegen Norbert van de Sand (Walburgisschule) sowie Diplom-Sozialpädagogin Tanja Haremza versuchte Quante den Stadtrat von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Schulsozialarbeit fortzusetzen.
Die steht allerdings aus Kostengründen auf der Kippe. 2011 hatte der Bund das so genannte Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) geschnürt. Das BuT war für die Kommunen die Basis, um Hilfen in den Schulen zu verstärken. Geld vom Bund gibt es nun nicht mehr. Städte und Gemeinden „dürfen“ Angebote, die sich aus dem BuT entwickelt haben, künftig selbst bezahlen. Oder sie beenden.
Letzteres ist die Linie der Stadtverwaltung. So sinnvoll die Schulsozialarbeit sei – die Finanzierung (45.000 Euro pro Jahr) sei Sache des Landes, betonte Bürgermeister Dr. Christian Schulze Pellengahr. Zu befürchten sei, dass in den kommenden Jahren weitere Kosten, etwa bei der Umsetzung der Inklusion, auf die Kommunen abgewälzt würden. „Wir müssen eine Grenze setzen.“
Zuvor hatte Tanja Haremza, die in beiden Grundschulen als Sozialarbeiterin tätig ist, aus ihrer täglichen Arbeit berichtet und diese eindrucksvoll an einem konkreten Beispiel verdeutlicht. Ein achtjähriger Schüler sei durch immer häufigere Handgreiflichkeiten aufgefallen. Die Atmosphäre in der Klasse sei dadurch massiv gestört, die Lehrerin habe sich nicht „nebenbei“ um die Gefühlslage eines Kindes kümmern können. Haremza nahm sich des Jungen an und ließ ihn unter dem Motto „Wie ich gerne sein möchte“ malen und basteln. Heraus kam eine Schwerter schwingender schwarze Gestalt. In den vielen folgenden Gesprächen sei dann deutlich geworden, was den Jungen wirklich bedrückt. Die Trennung der Eltern, das Gefühl des Allein-Gelassen-Seins. Der Junge habe zu ihr Vertrauen gefasst, so Haremza. Es wäre fatal, ihm jetzt am Schuljahresende sagen zu müssen, die Schulsozialarbeit höre auf.
Rektor van de Sand bestätigte dies: Schulsozialarbeit löse nicht auf einen Schlag alle Probleme, aber sie biete auffälligen Schülern Perspektiven. Wenn man nicht früh Hilfe biete, würden sich die Schwierigkeiten im Laufe der Schulzeit potenzieren.
Vertreter aller Fraktionen zollten Haremza Respekt für die Arbeit. Auf Vorschlag der SPD wurde das Thema vertagt. Eine Entscheidung soll nun am 16. Juli fallen.